2. Bayerisches Arthroseforum informierte über Gelenkverschleiß
Nürnberg/Rummelsberg. Volkskrankheit Gelenkverschleiß: Im Vergleich aller Erkrankungen kommt die Arthrose am dritthäufigsten vor. Neben dem Alter können vor allem Veranlagung, Fehlstellungen und Überbelastung zu den schmerzhaften Veränderungen in den Gelenken führen. Über Ursachen, Vorbeugung und Behandlungsmöglichkeiten informierte das gut besuchte 2. Bayerische Arthroseforum in Nürnberg.
Zur Veranstaltung im historischen Rathaussaal hatte das Krankenhaus Rummelsberg eingeladen. "Allein der Saal ist schon ein Highlight und es erwarten Sie viele medizinische Highlights", sagte Professor Dr. Richard Stangl, Ärztlicher Direktor der Klinik, bei der Begrüßung der Gäste. Zum Besonderen der Veranstaltung zählte er auch das Angebot, bei den Referenten nachzufragen und am Stand des Krankenhauses mit ihnen ins Gespräch zu kommen - was von den meist älteren Besuchern eifrig genutzt wurde.
Die kurzen und allgemeinverständlichen Vorträge führten "wie ein Express" durch die Arthrose: "Steigen Sie ein und informieren Sie sich!" Dass so viele Menschen an Arthrose leiden, hat auch damit zu tun, dass sie alle Gelenke betreffen kann, erläuterte der Arzt. Eine wirkungsvolle Behandlung gebe dem Patienten Mobilität zurück. Damit leiste die Medizin einen Beitrag, "in einer älter werdenden Gesellschaft Lebensqualität zu geben".
Als Schirmherrin des Arthroseforums bezeichnte Marga Beckstein (Nürnberg) die Veranstaltung als vorbildlich, denn das Programm sei für Jung und Alt gleichermaßen interessant. Viele Arthrosepatienten sind verzweifelt, weiß die Schirmherrin. "Zu dem Schmerz, der am Tag und in der Nacht ausgehalten werden muss, kommt die Angst vor dem Verlust der Mobilität." Das Arthroseforum habe mit seiner Bürgernähe deshalb auch eine wichtige psychologische Funktion: "Da sind Menschen, denen es ähnlich geht."
Entsprechend vielfältig wie Ursachen und Therapie waren die Vorträge, die meist von Fachleuten aus dem Krankenhaus Rummelsberg gehalten wurden. Über den Gelenkverschleiß am Kniegelenk, mit dem gerade auch junge, sportlich-aktive Menschen zu kämpfen haben, referierten Chefarzt Dr. Wilhelm Baur und die Oberärzte Dr. Florian Meindorfner, Dr. Stephan Oehler und Dr. Thomas Ebersberger.
Sie erläuterten, wie es zu einer Arthrose kommt, wenn die Knorpelschicht an einem umschriebenen Punkt geschädigt wird oder defekt ist. Im Gegensatz zu vielen anderen Geweben im menschlichen Körper kann sich der Gelenkknorpel nur sehr eingeschränkt selbst heilen. Um eine Operation kommen die Patienten deshalb oft nicht herum. Manchmal genügt es, das Kniegelenk nur teilweise zu ersetzen, in anderen Fällen hilft nur ein Implantat, das alle Aufgaben des Knies übernimmt.
Infektionsrisiko gebannt
Chefarzt Dr. Baur hatte dem Publikum erfreuliche Nachrichten aus seinem Haus zu berichten. Denn das Risiko von Infektionen konnte im Krankenhaus Rummelsberg minimiert werden. Bei der Erstimplantation von künstlichen Kniegelenken liegt der Grenzwert bei 2 Prozent, der Durchschnitt in Bayern bei 0.4 Prozent. Das Krankenhaus Rummelsberg erreichte im vergangenen Jahr sensationelle 0,0 Prozent. Das ist umso erfreulicher, wenn man bedenkt, dass sich die Zahl der Implantationen künstlicher Kniegelenke von 2003 bis 2007 um 40 Prozent gesteigert hat und bis 2030 mit einem weiteren, sogar erheblich stärkeren Anstieg zu rechnen ist.
Ähnlich niedrig sieht das Infektionsrisiko im Krankenhaus Rummelsberg bei der Erstimplantation von künstlichen Hüftgelenken aus. Hier liegt der Grenzwert bei 3 Prozent, der bayerische Durchschnitt in 2009 bei 0,5 und der in Rummelsberg bei 0,2 Prozent. Das gute Abschneiden der Klinik ist das Ergebnis vieler Anstrengungen. So verfügt das Krankenhaus Rummelsberg nicht nur über einen Reinraum-OP-Saal. Großen Wert legen die Rummelsberger Fachleute auch auf den antibakteriellen Schutz jedes Patienten und gründliche Voruntersuchungen.
Um Arthrose vorzubeugen, ist es wichtig, schon im Kindesalter Fehlstellungen zu erkennen und zu behandeln, unterstrich Oberarzt Dr. Jobst Schuseil.
Arthrose im Schultergelenk beleuchtete Professor Stangl in seinem Referat. Dabei erklärte er zunächst die Besonderheiten dieses Gelenks - einem kompliziert aufgebauten Wunderwerk der Evolution, das es uns erlaubt, die Arme in jede Richtung frei zu bewegen und an jeder Position stabil zu bleiben.
Genaue Untersuchung in der Klinik
Unterschiedliche Stadien der Arthrose erfordern auch hier verschiedene Therapien. Reichen Medikamente, Krankengymnastik, Massagen oder Wärme nicht mehr aus, um für ausreichende Heilung zu sorgen, muss an eine Operation gedacht werden. Vor jeder OP muss eine exakte Untersuchung in der Klinik stehen, auch um zu entscheiden, ob eine Teilprothese genügt oder eine Ganzprothese eingesetzt werden muss. Heute gibt es dafür einen breiten Fächer an Möglichkeiten. So wird es vielleicht nicht jedem Patienten möglich sein, seine Hände zum Himmel zu heben, sagte der Professor, aber eine "akzeptable Alltagstauglichkeit" könne erwartet werden.
Verschleißerscheinungen an den kleinen Wirbelgelenken der Wirbelsäule können oft ohne Operation behandelt werden, erläuterte Chefarzt Dr. Friedrich Stewen. "Wir legen nicht jeden Patienten gleich auf den OP-Tisch", sagte der Referent. Gerade am Anfang seien die Schmerzen meist sehr gut mit Medikamenten zu behandeln, außerdem stünden für die "konservativen" Behandlung gezielte Einspritzungen, Physiotherapie und Bandagen zur Verfügung.
Wenn die Arthrose fortschreitet, kann das zur Einengung des Wirbelkanals führen (Lumbalstenose), bei der schließlich nur noch eine Operation hilft. Dabei werden Nervenbahnen - das empfindlichste Gewebe im menschlichen Körper - wieder freigelegt. Für seine Zuhörer hatte der Chefarzt noch einen wichtigen Tipp: zeitlebens auf eine rückengerechte Belastung der Wirbelsäule - auch beim Körpergewicht - zu achten. Denn auch die beste Behandlung kann eine Arthrose nicht rückgängig machen.
Wenn im Bereich der Hüfte ein Ersatz des erkrankten Gelenks geboten ist, gibt es heute - je nach Patient - eine Fülle von Kombinationsmöglichkeiten, erläuterte Chefarzt Dr. Erwin Lenz. Doch was tun, wenn sich die Implantate an Hüfte und Knie lockern und anscheinend nichts mehr geht? Oberarzt Dr. Roland Böhm vom überregionalen Zentrum für Spezial- und Wechselendoprothetik zeigte Wege, wie auch in diesen Fällen Menschen wirksam geholfen werden kann.
Auf richtige Medikamente achten
Breiten Raum nahmen beim Arthroseforum auch Fragen der medikamentösen Behandlung ein. Wie wichtig die richtige Arznei ist, zeigte Dr. Dorner am Beispiel der so genannten NSAID's. Sie gelten als die am meisten verordneten und eingesetzten Medikamente und sind wohl in jeder Hausapotheke zu finden. Sie wirken entzündungshemmend, schmerzlindernd und fiebersenkend. Weil sie aber auch gravierende Nebenwirkungen haben können, sind sie bei uns oft verschreibungspflichtig. Nicht so in den USA. Hier wurde 2004 für diese Medikamente 7 Milliarden Dollar ausgegeben - und in etwa das gleiche für die Behandlung der Nebenwirkungen.
Eine andere Möglichkeit ist eine Therapie mit Hyaloronsäure, die ins Kniegelenk gespritzt für eine bessere Pufferung sorgen kann. Oberarzt Dr. Volker Dürr beschrieb Möglichkeiten, aber auch Grenzen dieser Behandlung.
Enorme volkswirtschaftliche Bedeutung
Chefarzt Dr. Jörg Albrecht Deutlich verdeutlichte, dass eine moderne Schmerztherapie helfen kann, selbst chronische Schmerzen in den Griff zu bekommen. Ein auch volkswirtschaftlich enorm wichtiges Thema. Laut Statistik sind bei Rückenschmerzen 60 Prozent der Patienten nach einer Woche wieder fit, 30 Prozent nach sechs und 10 Prozent erst nach einem Jahr. Bei der Behandlung dieser zehn Prozent müssen rund 80 Prozent der Kosten aufgewandt werden, die für alle Patienten mit Rückenschmerzen zur Verfügung stehen, außerdem stehen sie auf Platz eins der Ursachen einer Arbeitsunfähigkeit.
Einige Schlaglichter aufs Thema aus Sicht des Neurologen warf Chefarzt Privatdozent Dr. Martin Winterholler. Er zeigte, wie entscheidend die Zusammenarbeit von Spezialisten unterschiedlicher Fachrichtungen sein kann. So machen sich Neurologen und chirurgische Orthopäden im Krankenhaus Rummelsberg oft gemeinsam Gedanken, um ein Problem exakt zu analysieren und wirkungsvoll behandeln zu können.
Oberstes Ziel sollte sein, es gar nicht erst zu einer Arthrose kommen zu lassen. Was man seinen Gelenken an Gutem tun kann, erläuterte Dr. Jürgen Mees, Chefarzt des Medial Park Bad Rodach - und diskutierte dabei Mittel vom Brennesselextrakt bis zum Austronautentraining.
Als Auflockerung erwartete die Gäste zwischen den Vorträgen nicht nur eine Muntermachgymnastik. Alexander Stephan, Torwart des 1. FC Nürnberg, und Michael Fuchs, Torwarttrainer der Frauennationalfußballmanschaft, berichteten einiges Wissenswerte über die sportlichen Vorbereitung und Verletzungs-Prävention, bevor sie in einer kurzen Mittagspause für Autogramme zur Verfügung standen.
Bei einer Ausstellung konnten sich die Besucherinnen und Besucher über Angebote aus den Bereichen Sport und Rehabilitation informieren und an einem Arthrose-Parcours teilnehmen. Außerdem gab es bei der Veranstaltung einige attraktive Preise zu gewinnen. Moderiert wurde die Veranstaltung wieder in bewährter Weise von Sylvia Kunert von Radio F.
Klaus Leder/RA
In einer Dokumentation sind die Vorträge unter www.bayerisches-arthroseforum.de herunterzuladen
26.07.2010 Konfessionelles Krankenhaus Rummelsberg erhält mit Sana privatwirtschaftlichen Träger
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Einstimmige Entscheidung für die Sana Kliniken AG. Gemeinsames Werteprofil gab den Ausschlag. Kartel
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