Medizinische Schwerpunkte

Korrektur Plattfuß (Pes abductoplanovalgus) beim Erwachsenen

Unter einem Pes abductoplanovalgus versteht man die Abflachung des Fußlängsgewölbes mit einer Vorfußauswärtsdrehung und einer X-Stellung des Rückfußes. Der Pes abductoplanovalgus (im Volksmund Knick-Senk-Plattfuß) ist im Kindesalter relativ häufig. Es ist keinesfalls richtig, dass diese Fehlstellungen in der Regel auswachsen. Ab einer bestimmten Ausprägung der Fehlstellung sollte zunächst mit speziell angepassten Einlagen und Physiotherapie behandelt werden. Deutlich ausgeprägte Fehlstellungen müssen operativ behandelt werden, da sonst aus diesen noch reversiblen Fehlstellungen nicht mehr reversible Deformitäten entstehen. Diese Deformitäten führen dann spätestens im Erwachsenalter zu erheblichen Problemen, die nur durch aufwändige Korrekturoperationen gebessert werden können. In etwa der Hälfte besteht ein flexibler Pes abductoplanovalgus. Hierbei lassen sich die Fehlstellungen manuell noch in eine Normalstellung zurückbringen. Diese Veränderungen kann man mit Rückfußkorrekturen, Sehnen- und Bandoperationen noch korrigieren. Beim fixierten Pes abductoplanovalgus  sind die Fehlstellungen nicht mit den oben beschriebenen Methoden korrigierbar zumal häufig deutliche Arthroseveränderungen vorliegen. Es müssen nunmehr Gelenkversteifungen vorgenommen werden, um eine normale Stellung und damit Schmerzfreiheit zu erreichen. Ein Pes abductoplanovalgus kann auch durch eine nicht adäquat behandelte Verletzung entstehen. In diesen Fällen ist besonders mit einer Arthrose zur rechnen (s. Fall ganz unten).

Beim Pes abductoplanovalgus besteht häufig eine Tibialis-posterior-Insuffizienz, die in 4 Schweregrade eingeteilt wird (s.u.). Auch die Achsenabweichungen auf den Röntgenbildern werden in 4 Schweregrade eingeteilt. Dies bedeutet, dass eine adäquate Klassifikation undabhängig vom Lebensalter nur mit Röntgenbildern mit Belastung möglich ist. Anhand dieser Einteilung in Schweregrade ergibt sich dann anhand eines Therapiealgorithmus die korrekte Therapie.

Unser Vorgehen zeigte bei einer eigenen Nachuntersuchungsstudie wissenschaftlich gesichert gute Ergebnisse. 

Abduktions-Pronationstellung des Fußes bei Pes abductoplanovalgus

Verkleinerung / Fehlen der belastungsfreien Zone in der Mitte der medialen Fußsäule bei Pes abductoplanovalgus

Valgusfehlstellung der Ferse bei Pes abductoplanovalgus

4 Schweregrade der Tibialis-posterior-Insuffizienz bei Pes abductoplanovalgus

"Too many toe sign" bei Pes abductoplanovalgus

Dorsoplantare Röntgenaufnahme mit Belastung und Ausmessung des dorsoplantaren Talo-Metatarsale-1-Winkels (TMT dorsoplantar)

Seitliche Röntgenaufnahme mit Belastung und Ausmessung der des seitlichen Talo-Metatarsale-1-Winkels (TMT seitlich).

Berechnung des Talo-Metatarsale-1-Index (TMT-Index) durch Addition des TMT dorsoplantar und des TMT seitlich.  Beim Pes abductoplanovalgus sind die Werte negativ, hier besteht ein TMT-Index von -43°.

Vergleich Röntgen mit und ohne Belastung mit deutlich unterschiedlichem Talo-Metatarsale-1-Winkel (TMT).

Pes abductoplanovalgus Grad 1 mit TMT-Index 0°bis -20°.  Die Pedographie zeigt in diesem Schweregrad noch keine Auffälligkeiten.  In diesem Fall besteht zusätzlich ein extrem seltener angeborener Hallux varus.

Pes abductoplanovalgus Grad 2 mit TMT-Index -21°bis -40°.  Die Pedographie zeigt in diesem Schweregrad bereits eine Vergrößerung der Kontaktfläche im Bereich des Mittelfußes und eine Verschiebung des Schwerpunktverlaufs nach lateral.

Pes abductoplanovalgus Grad 3 mit TMT-Index -41°bis -60°.  Die Pedographie zeigt in diesem Schweregrad eine deutliche Vergrößerung der Kontaktfläche im Bereich des Mittelfußes und Verschiebung des Schwerpunktverlaufs nach lateral.

Pes abductoplanovalgus Grad 4 mit TMT-Index <-60°.  Die Pedographie zeigt in diesem Schweregrad bereits eine massive Vergrößerung der Kontaktfläche im Bereich des Mittelfußes und Verschiebung der Schwerpunktverlaufs nach lateral.

Therapiealgorithmus.  Dieser orientiert sich am Schweregrad.  Die Physiotherapie (PT) beinhaltet im Wesentlichen eine Kräftigung der Tibialis posterior Muskulatur

Einlagenversorgung mit Anhebung des medialen Fußrandes.  Die Anhebung erfordert einen stabilen Keil und nicht nur eine Ausgestaltung des "Fußlängsgewölbes".