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29.11.2018, Rummelsberg

Paralympics-Sieger Holger Nikelis zu Gast

Querschnittzentrum öffnete die Pforten

Sorgte für Spaß und ließ Dr. Matthias Ponfick ganz schön schwitzen: der zweifache Paralympics-Sieger im Rollstuhl-Tischtennis, Holger Nikelis.

Rummelsberg. 180 Fälle im ersten Jahr, 200 Blasenfunktionsuntersuchungen und eine Weiterempfehlung von 100 Prozent – die Zahlen im Querschnittzentrum Rummelsberg können sich nach einem Jahr sehen lassen. Um Patienten, Angehörigen und Interessierten einen Einblick in das Zentrum zu geben, veranstaltete das Krankenhaus Rummelsberg einen Tag der offenen Tür. Mit von der Partie war auch sportliche Prominenz: der zweichfache Paralympics-Sieger im Tischtennis, Holger Nikelis, schaute vorbei und überzeugte mit seinem sportlichen Einsatz, um speziell Querschnittpatienten mit einer höher liegenden Lähmung über den Sport ins Leben zurück zu führen.

Mit 17 Jahren änderte sich das Leben von Holger Nikelis schlagartig. Bei einem Badeurlaub in Spanien sprang er ins Wasser, so wie es sicherlich unzählige andere Badegäste jeden Sommer machen. Nikelis aber landete dabei so unvorteilhaft, dass er sich den sechsten Halswirbel brach. Die Folge war ernüchternd: eine Querschnittlähmung vom Hals abwärts und ein Leben im Rollstuhl. Für Tetraplegiker wie ihn – also Querschnittgelähmte, bei denen alle vier Gliedmaßen betroffen sind – gibt es wenige Sportmöglichkeiten. Mehr Möglichkeiten gibt es bei Paraplegikern. Entscheidend sind dabei immer die Höhe der Rückenmarkverletzung und das Ausmaß der Schädigung. Tischtennis war für Nikelis in der Reha somit die einzige Sportart, mit der in Kontakt kam. „Anfangs war es ein Nachteil, dass ich vorher schon Tischtennis gespielt hatte – wenn auch nicht auf hohem Niveau. Plötzlich ändert sich alles und man muss mit stark eingeschränkten Möglichkeiten zu Recht kommen“, erklärt Nikelis und ergänzt: „Die Perspektive ändert sich, ich hatte keine Fingerfunktion mehr und man muss sich einer ganz anderen Technik annehmen“. Wichtig für ihn war, dass er relativ schnell nach seinem Unfall einen gedanklichen Schussstrich gezogen hatte, denn er kam zu der Erkenntnis: „Ich kann es nicht ändern.“ In der Rehabilitation hatte er Kontakt mit einem Leidensgenossen, der eine ähnliche Verletzung hatte. „An seinem Beispiel habe ich gesehen, was alles möglich ist.“ Oft sind es die Kleinigkeiten, die den Alltag erleichtern. „Bei mir war es beispielsweise der Einsatz der Vorderradarretierung beim Transfer vom Rollstuhl ins Bett“, erinnert sich Nikelis. Im Rollstuhl-Tischtennis fand er Spaß und Bewegung und dann kam auch noch der Leistungsgedanke hinzu. Die Geschichte und sportlichen Erfolge sind bekannt. Nikelis wurde zweifacher Paralympics-Sieger und kann auf zahlreiche Deutsche Meisterschaften, Welt-  und Europameisterschaften verweisen. Seine internationale Karriere beendete er nach den Spielen in Rio. Mittlerweile setzt er sich dafür ein, Querschnittgelähmte zu unterstützen, dass diese über den Tischtennis-Sport zurück ins Leben finden. Angedacht ist eine Zusammenarbeit mit dem Querschnittzentrum des Krankenhauses Rummelsberg, um in regelmäßigen Abständen Workshops für Patienten und Therapeuten anzubieten.

„Wir sind eine große Familie“

Genau aus diesem Grund war Nikelis auch beim ersten Tag der offenen Tür in Rummelsberg vor Ort. Und dabei präsentierte der Querschnittgelähmte Sportler auch sein Können. Dr. Matthias Ponfick, den Ärztlichen Leiter des Querschnittzentrums, brachte er ordentlich ins Schwitzen. Sehr zum Spaß und Freude der Anwesenden. Allgemein stand der Spaß am Tag der offenen Tür an oberster Stelle. Und es wurde deutlich, dass auf Station und unter den Patienten ein besonderer Spirit vorherrscht. „Wir sind eine große Familie und das merkt man auch an der herzlichen Begrüßung untereinander. Ich freue mich, dass so viele den Weg wieder nach Rummelsberg gefunden haben“, so Dr. Matthias Ponfick. Der Mediziner erhält aktuell aus ganz Süddeutschland Zuweisungen. Unter seiner Leitung konnte das Team der Pflegekräfte im Vergleich zum Start verdreifacht werden. Künftig soll es in Sachen Querschnittzentrum aber auch noch weiter gehen. „Die Bettenkapazität im Querschnitt wird auf 24 Betten ansteigen. Damit geht einher, dass wir die Monitorplätze erweitern und auch das Inventar für die Therapie aufstocken. Zudem ist in naher Zukunft die Anschaffung eines Deckenliftersystem geplant, um so den Transfer und die Frühmobilisation der Patienten zu vereinfachen“, weiß Geschäftsführer Frank Stauch. Wie so ein Deckenliftsystem aussehen kann, davon konnten sich die Gäste in der Übungswohnung im dritten Stock überzeugen. Hier wurde speziell für den Querschnittpatienten ein häusliches Umfeld geschaffen, wo beispielsweise die partnerschaftliche Erprobung und der Transfer von Rollstuhl zu Bett und umgekehrt getestet werden kann. „Ich habe schon einige Häuser für Querschnittpatienten gesehen. Was hier aufgebaut wurde, ist großer Sport“, so Holger Nikelis. Als Querschnittgelähmter und ehemaliger Spitzensportler im Behindertenbereich muss er wissen, wovon er spricht. Allein die beiden Goldmedaillen sprechen für sich!

Kontakt

Krankenhaus Rummelsberg
Dominik Kranzer
Pressesprecher
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